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LED-Bildschirm erklärt: hinterleuchtetes LCD gegen echtes LED-Display

Eine Unterscheidung, die das Marketing selten sauber zieht: Das „LED“ im gewöhnlichen LED-Fernseher ist eine Lampe, nicht das Bild. Ein echtes LED-Display (eines, bei dem Leuchtdioden das Bild wirklich formen) ist etwas anderes, und nur wenige Bildschirmtypen verdienen den Namen.

Im Standard-LED-Fernseher sind die Dioden Hintergrundbeleuchtung. Sie fluten die Rückseite eines Flüssigkristall-Panels mit weißem Licht, und Kristalle samt Farbfiltern schnitzen daraus das Bild. Die Dioden berühren das Bild nie direkt; sie liefern nur den Schein, den das Panel dann blockiert oder durchlässt. Wer versteht, wie dieser Aufbau arbeitet, versteht auch, warum jeder LED-Fernseher dieselbe eine Schwäche mit sich trägt, und warum selbstleuchtende Technik sie schlicht nicht kennt.

Wie ein hinterleuchtetes LCD ein Bild macht

Ein LCD ist ein Stapel. Ganz hinten sitzt die Lichtquelle, heute fast immer eine Reihe weißer LEDs. Davor verteilt eine Streuscheibe das Licht zu einer gleichmäßigen Fläche. Dann kommt der eigentliche Trick: zwei Polarisationsfilter, gekreuzt, dazwischen die Flüssigkristallschicht mit ihrem Transistorgitter (TFT). Der hintere Filter lässt nur Licht einer Schwingungsrichtung durch; der vordere ist um 90 Grad gedreht und würde dieses Licht eigentlich vollständig schlucken.

Dass überhaupt etwas hindurchkommt, ist Aufgabe der Kristalle.

Flüssigkristalle drehen die Schwingungsrichtung des Lichts, und wie stark sie drehen, hängt an der Spannung, die der Transistor an jedem Subpixel anlegt. Keine Spannung, volle Drehung, das Licht passt durch den vorderen Filter: hell. Volle Spannung, keine Drehung, der Filter blockt: dunkel. Dazwischen liegen alle Graustufen. Farbe entsteht erst danach, an einer Schicht winziger roter, grüner und blauer Filter: Jedes Bildpixel besteht aus drei solcher Subpixel, und aus deren Mischung setzt das Auge die Farbe zusammen.

Die Kristalle wissen von Farbe nichts.

Sie sind reine Lichtventile.

Warum das Schwarz nie ganz schwarz wird

Genau hier steckt die Grenze. Ein Flüssigkristall-Ventil schließt nie vollständig. Selbst bei voller Spannung sickert ein Rest Licht durch den gekreuzten Filter, die Physik der Polarisation ist nicht perfekt, und das Panel ist ein reales Bauteil mit Streuung an jeder Grenzfläche. Das Backlight leuchtet die ganze Zeit dahinter. Ein „schwarzes“ Pixel ist also ein Ventil, das zu schließen versucht, während von hinten unablässig Licht drückt.

Das Ergebnis ist ein dunkles Grau, kein Schwarz.

Im hellen Raum fällt das kaum auf, weil Umgebungslicht den Schirm ohnehin aufhellt. Im abgedunkelten Raum wird es sichtbar: Der Fernseher zeigt bei schwarzem Bild ein schwaches Glimmen, und der Kontrast, das Verhältnis zwischen dem hellsten Weiß und dem dunkelsten Schwarz, ist genau durch dieses Leck gedeckelt. Die Panel-Bauart entscheidet mit. VA-Panels schließen dichter und wirken kontraststark, verlieren aber Farbe und Helligkeit zur Seite hin; IPS-Panels halten den Blickwinkel besser, lecken beim Schwarz dafür stärker.

Beide teilen dasselbe Grundproblem.

Dimmzonen, Blooming und der Umweg über Mini-LED

Die naheliegende Gegenmaßnahme: das Backlight nicht überall gleich hell leuchten lassen. Wo das Bild dunkel ist, dimmt man die Dioden dahinter: lokales Dimming. Bei edge-lit-Geräten sitzen die LEDs am Rand und leuchten über einen Lichtleiter ins Panel; hier lässt sich nur grob nach Streifen oder Regionen dimmen. Bei Full-Array-Geräten sitzt ein Feld aus LEDs direkt hinter dem Panel, aufgeteilt in Zonen, die einzeln herunterregeln.

Das hilft dem Kontrast enorm, löst das Problem aber nicht. Eine Zone ist immer viel größer als ein Pixel: sie deckt Tausende ab. Steht ein heller Punkt auf schwarzem Grund, etwa ein Untertitel oder ein Stern, muss die ganze Zone unter ihm hell bleiben. Um den Punkt herum entsteht ein sichtbarer Lichthof, das sogenannte Blooming. Der Fernseher steht vor einer Zwickmühle: Zone hell lassen und den Halo hinnehmen, oder Zone dimmen und den hellen Punkt mit verschlucken. Mini-LED verkleinert genau diese Zonen, indem es die Backlight-Dioden schrumpft und dadurch viel mehr davon unterbringt, Tausende statt Dutzende.

Der Halo wird kleiner und blasser.

Weg ist er nicht, solange eine Zone mehr als ein Pixel umfasst.

Was „selbstleuchtend“ wirklich bringt

Ein selbstleuchtendes Display kippt die ganze Konstruktion. Kein Backlight, keine Ventile, keine Zonen, jedes Pixel erzeugt sein eigenes Licht und regelt es selbst. Ein abgeschaltetes Pixel sendet nichts. Das ist kein sehr gutes Schwarz, das ist Aus. Der Kontrast ist damit praktisch unbegrenzt, und Blooming kann es per Bauart nicht geben, weil keine Zone existiert, die größer wäre als das Pixel selbst.

OLED erreicht das mit organischen Verbindungen, die unter Strom leuchten: je ein Emitter pro Subpixel. Perfektes Schwarz, Farben, die zur Seite kaum kippen, und eine Reaktionszeit, gegen die LCD alt aussieht. Die Grenzen liegen woanders: Ein vollflächig weißes Bild erreicht nicht die Spitzenhelligkeit eines guten Mini-LED, weil die Elektronik die Gesamtleistung deckelt, und statische Inhalte, die über Jahre immer an derselben Stelle stehen, tragen ein kleines Restrisiko fürs Einbrennen.

QD-OLED ist eine Variante desselben Prinzips: Eine blaue OLED-Schicht liefert das Licht, Quantenpunkte wandeln einen Teil davon in reines Rot und Grün um, statt es durch Farbfilter zu dämpfen. Das hebt Farbe und Helligkeit, ändert aber nichts am Kern, jedes Pixel leuchtet selbst.

Micro-LED geht den radikalsten Weg. Es nutzt mikroskopische anorganische LEDs als Pixel: dieselbe robuste Diodenfamilie wie das Backlight, nur auf Pixelgröße geschrumpft und direkt als Bild verwendet. Es behält OLEDs perfektes Schwarz und die Blickwinkel, wird dabei sehr hell und kennt kein Einbrennen: ein Vorteil, der auf die Langlebigkeit einzahlt. Der Haken ist die Fertigung: Millionen einzelner Mikro-LEDs lückenlos zu einem Panel zu setzen, ist bislang außerordentlich teuer, weshalb die Technik vorerst als modulare, wandgroße Installation auftritt und nicht als Fernseher von der Stange.

QLED: der Buchstabe, der in die Irre führt

Ein Name stiftet hier gezielt Verwirrung. QLED klingt wie OLED, ist aber das Gegenteil seiner Grundidee: ein ganz normales hinterleuchtetes LCD. Das „Q“ steht für eine Schicht Quantenpunkte, die das Licht des Backlights aufnimmt und in sattere Farben umwandelt: photolumineszent, also angeregt von fremdem Licht, nicht selbst gezündet. Der Farbraum wird dadurch tatsächlich größer. Am Prinzip ändert das nichts: Es gibt weiter ein Backlight, weiter Ventile, weiter Zonen, weiter dieses leicht graue Schwarz.

Wer QLED und OLED verwechselt, verwechselt eine gute Lampe mit einem Panel, das ohne Lampe auskommt.

Wann das hinterleuchtete LCD die klügere Wahl ist

Nichts davon macht das LED-LCD zum schlechten Fernseher. Für einen hellen Raum spielt es seine Stärke aus: Ein gutes Mini-LED wird flächig heller als die meisten OLEDs und setzt sich gegen Tageslicht und Fensterfronten besser durch. Wer viele Stunden mit statischen Inhalten verbringt (Nachrichtenlaufband, Spiele-HUD, der Windows-Desktop als Zweitschirm) fährt ohne Einbrenn-Risiko entspannter. Und fürs Geld liefert LCD pro Zoll schlicht mehr Helligkeit und Fläche.

Selbstleuchtend gewinnt dort, wo Schwarz und Kontrast zählen: Film im abgedunkelten Raum, Sternenhimmel, Abspann, alles mit feinen hellen Details auf dunklem Grund. Da zeigt sich die Lücke am schärfsten, und keine Zahl an Dimmzonen holt ein Panel ganz ein, das seine dunklen Pixel einfach abschaltet. Der Rat lautet also nicht „das eine ist besser“, sondern: die Etiketten ehrlich lesen. Ein LED-Fernseher ist ein beleuchtetes LCD. Ein echtes LED-Display, das jedes Pixel selbst leuchten lässt, ist das seltenere und teurere Ding, und man sollte wissen, für welches der beiden man gerade bezahlt.