Samsung UN55B6000: Was ein früher 55-Zoll-Edge-lit-LED heute noch lehrt
Der Samsung UN55B6000 ist einer jener Fernseher, an die man sich weniger wegen des Bildes erinnert als wegen der Silhouette. Er übertrug das ultraflache Edge-lit-LED-Design jener Baureihe auf 55 Zoll, damals eine große Diagonale, und hing an der Wand eher wie ein gerahmtes Bild als wie ein Gerät. Genau das macht ihn zum aufschlussreichen Zeitzeugen: Er zeigt, was die LED-Beleuchtung zuerst verändert hat und was sie noch nicht konnte.
Was „LED-Fernseher“ damals wirklich meinte
Der Begriff war von Anfang an irreführend, und er ist es geblieben. Ein LED-Fernseher ist kein Bildschirm aus leuchtenden Dioden. Er ist ein gewöhnlicher LCD, eine Flüssigkristallanzeige, bei der lediglich die Hintergrundbeleuchtung aus Leuchtdioden besteht statt aus den früher üblichen Leuchtstoffröhren, den CCFL-Röhren. Das Bild selbst entsteht mehrere Schichten weiter vorn. Von hinten nach vorn stapeln sich das Backlight, ein Diffusor, ein erster Polarisationsfilter, die Flüssigkristallschicht mit ihren winzigen TFT-Transistoren, die Farbfilter für Rot, Grün und Blau und ganz vorn ein zweiter Polarisator, um 90 Grad gedreht zum ersten.
Die Flüssigkristalle leuchten nicht selbst.
Sie drehen das durchtretende Licht mehr oder weniger stark und wirken so wie Millionen winziger Jalousien. Der Wechsel von CCFL zu LED brachte zunächst nichts Bildbezogenes: dünnere Gehäuse, weniger Stromverbrauch, kein Quecksilber, ein schnelleres Einschalten. Das Marketing verkaufte die neue Lichtquelle trotzdem als neue Bildtechnik, und dieser Kurzschluss hält sich bis heute.
Warum die Dioden am Rand saßen
Beim UN55B6000 saßen die Leuchtdioden nicht hinter dem Panel, sondern in einer schmalen Leiste am Rand. Diese Edge-lit-Bauweise ist der Grund für die geringe Tiefe. Damit das seitlich eingespeiste Licht trotzdem die gesamte Fläche erreicht, liegt hinter dem Panel eine Lichtleiterplatte: eine klare Kunststoffscheibe, die das Licht über Totalreflexion in die Fläche führt und es über eine feine, nach außen dichter werdende Punktstruktur gleichmäßig nach vorn auslenkt. Das funktioniert, hat aber physikalische Grenzen.
Je weiter ein Bildbereich von den Dioden entfernt liegt, desto schwerer wird die gleichmäßige Ausleuchtung.
In der Praxis sieht man das als wolkige Aufhellungen und hellere Ränder, im Fachjargon clouding und flashlighting. Auffällig wird es vor allem bei dunklen, gleichförmigen Flächen: dem Abspann eines Films, einem Nachthimmel, einem schwarzen Ladebildschirm. Auf 55 Zoll ist die zu überbrückende Strecke größer als auf einem kleinen Panel, entsprechend deutlicher können solche Ungleichmäßigkeiten ausfallen.
Hinzu kommt die Frage, wie die Helligkeit überhaupt geregelt wird. Viele LED-Backlights dimmen nicht über die Stromstärke, sondern indem sie die Dioden sehr schnell ein- und ausschalten (Pulsweitenmodulation, PWM).
Ist diese Taktung zu niedrig, nehmen empfindliche Augen ein Flimmern wahr, das bei längerem Sehen ermüdet.
Kontrast, Schwarzwert und die fehlenden Zonen
Entscheidend für die Bildqualität ist nicht, ob die Dioden am Rand oder in der Fläche sitzen, sondern wie fein sich das Backlight steuern lässt. Ein Full-Array-Backlight mit lokaler Dimmung (local dimming) teilt die Rückwand in viele Zonen, die sich einzeln absenken lassen. Dann bleibt der Sternenhimmel dunkel, während der Mond hell steht. Edge-lit-Geräte jener Zeit konnten das gar nicht oder nur sehr grob. Wer überhaupt dimmte, dimmte oft nur senkrechte Streifen oder gleich das ganze Bild. Ein einzelner heller Punkt in dunkler Szene zwingt dann den ganzen Streifen hoch, und das Schwarz ringsum wird grau.
Ohne jede Dimmung leuchtet das Backlight ohnehin gleichmäßig durch, und der Schwarzwert hängt allein davon ab, wie gut die Flüssigkristallschicht das Licht blockiert.
VA-Panels, wie sie in solchen Samsung-Geräten üblich waren, sperren das Licht besser als IPS und liefern von Haus aus ein satteres Schwarz, aber nie ein perfektes: Ein Rest Licht sickert immer durch. Der bessere Kontrast hat bei VA aber einen Preis. Wer seitlich versetzt sitzt, sieht Farben ausbleichen und das Schwarz aufhellen; ein IPS-Panel bleibt aus schrägem Winkel farbstabiler, gibt dafür aber einen Teil des Kontrasts ab.
In beiden Fällen bleibt es ein LCD, und das ist der bauartbedingte Nachteil jedes LCD gegenüber selbstleuchtenden Technologien wie OLED, bei denen jeder Bildpunkt für sich verlischt und Schwarz wirklich schwarz bleibt.
Farbe: von der weißen Diode zum Quantenpunkt
Die Farbe entsteht in einem LCD nicht im Backlight, sondern in den Farbfiltern davor. Das Backlight liefert möglichst weißes Licht, die roten, grünen und blauen Filter schneiden daraus die drei Grundfarben heraus. Wie rein diese Grundfarben ausfallen, hängt davon ab, wie sauber das weiße Licht überhaupt zusammengesetzt ist. Die weißen Leuchtdioden früher Edge-lit-Geräte bestanden im Kern aus einem blauen Chip mit einer gelben Leuchtschicht. Das ergibt zwar Weiß, aber ein Weiß mit Lücken im Spektrum, und durch die Farbfilter bleiben Rot und Grün dann etwas blass.
Für die damaligen Inhalte reichte das, ein größerer Farbraum war schlicht nicht gefordert.
Später kam der Quantenpunkt: eine dünne Folie mit winzigen Kristallen, die blaues Backlight-Licht in sehr reines Rot und Grün umwandeln und so den darstellbaren Farbraum spürbar weiten. Genau das steckt hinter dem Kürzel QLED, kein neuer Bildschirmtyp, sondern weiterhin ein LCD mit Backlight, nur mit deutlich besserem Farbfutter. Der B6000 zeigt hier seine deutlichste Grenze: Nicht die Auflösung lässt ihn heute alt aussehen, sondern der engere Farbraum, dem die reinen Primärfarben moderner Panels fehlen.
Auflösung, Bewegung und der richtige Sitzabstand
Beim Panel war der B6000 auf der Höhe seiner Zeit: Full HD mit 1920 × 1080 Bildpunkten. Auf 55 Zoll ergibt das eine Pixeldichte, die aus normalem Wohnzimmerabstand auch heute ordentlich wirkt; die Auflösung ist selten der erste Grund, so ein Gerät zu ersetzen. Wie nah man sinnvoll sitzt, hängt von der Diagonale ab. Bei Full HD auf 55 Zoll verschmelzen die einzelnen Pixel für die meisten Augen ab etwa der zweifachen Bildbreite; rückt man deutlich näher, beginnt man das Raster zu ahnen. Schwieriger als die Auflösung war die Bewegtdarstellung.
LCDs dieser Bauart halten jedes Vollbild bis zum nächsten Bildwechsel konstant (sample-and-hold), was schnelle Bewegungen für das Auge leicht verschmiert.
Die Hersteller hielten mit Zwischenbildberechnung dagegen, die zusätzliche Bilder interpoliert. Das glättet Kameraschwenks, erzeugt aber den bekannten Seifenopern-Effekt, der Kinofilmen ihre gewohnte Anmutung nimmt, ein Kompromiss, den man an solchen Geräten oft besser abschaltet.
Was der B6000 über den Kauf heute lehrt
Wer heute in dieser Diagonale kauft, kann aus dem B6000 eine kurze Prüfliste ableiten, nicht aus Nostalgie, sondern weil sich die wichtigen Fragen kaum verschoben haben. Die Bauform sagt nach wie vor nichts über das Bild. Ein rasiermesserdünnes Edge-lit-Gerät kann heller und flacher sein als ein dickeres Full-Array-Modell und beim Schwarzwert trotzdem verlieren. Die erste Frage gilt deshalb der Art der Beleuchtung: Edge-lit, Full-Array oder Mini-LED. Mini-LED bleibt im Kern ein LCD, packt aber so viele winzige Dioden und Dimmzonen hinter das Panel, dass lokale Kontraste nahe an das heranreichen, was OLED von Natur aus liefert.
Wichtig ist auch die Zahl der Dimmzonen, denn viele Zonen bremsen das blooming, den hellen Hof um helle Objekte vor dunklem Grund.
Und es lohnt, nach der realen HDR-Helligkeit zu fragen: HDR lebt von hellen Spitzlichtern, die ein lichtschwaches Backlight schlicht nicht darstellen kann, so hübsch das Datenblatt auch klingt. Wer perfektes Schwarz und keine Ausleuchtungsprobleme will und mit dem kleinen Restrisiko des Einbrennens leben kann, landet ohnehin bei OLED. Für alle anderen gilt die Regel, die schon damals galt und die der schlanke 55-Zöller so schön illustriert: die Größe nach dem Sitzabstand wählen, nicht nach dem Preisschild.